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19.12.2018

Ohne die Unterstützung in BeLIS hätte ich* es nie geschafft

* Eine Gesprächsmitschrift; Name von der Redaktion geändert.

Frau S. wollte schon immer ihre Geschichte erzählen, um anderen schwangeren Frauen und Müttern Mut zu machen. Geboren im Kosovo, kam S. 1997 mit ihren Eltern nach Deutschland. Mit 17 wurde sie Mutter. Getrennt vom Freund und Vater der gemeinsamen Tochter, kämpfte S. acht Monate um das Sorgerecht und kam dann mit ihrer achtzehn Monaten jungen Tochter nach Kleingartach zur Betreuung in das Mutter/Kind-Angebot BeLIS (Betreuter Lebensraum, Integration und Selbsthilfe).

Ich war Gott froh, dass ich nach langem Kampf um das Sorgerecht mit meiner Tochter zu BeLIS gekommen bin. Dort fand ich die Unterstützung, die ich damals benötigte. Da meine Tochter in den ersten Monaten ihres Lebens bei ihrem Vater, meinem Ex-Freund, lebte, hatten sich bei mir keine echten Muttergefühle entwickelt. Es war einfach nicht da. Ich hatte keine Bindung zu ihr aufgebaut. Die Monate ohne meine Tochter waren zu schwierig und vielleicht war es so etwas wie Selbstschutz um diese Zeit überhaupt zu ertragen...
Die Zeit und die Unterstützung bei BeLIS halfen mir dann, die Bindung zu meiner Tochter doch noch zu finden und aufzubauen. Das Muttergefühl entwickelte sich. Es hat aber lange dafür gebraucht. Elf Monate BeLIS haben mir dabei unheimlich viel gebracht. In Kleingartach in der Gruppe habe ich mich so wohl gefühlt, dass BeLIS wie eine Familie für mich war. Ich bin froh, dass ich hier in Deutschland solche Unterstützung bekommen hab‘. Sonst hätte ich es nie geschafft.

In dieser Zeit war ich oft verzweifelt und genervt. Da ich keinen Schulabschluss hatte, wollte das Jugendamt dann auch noch mit mir zusammen schauen, wie es weitergehen könnte. Ob Schule oder Beruf. Damals dachte ich – was wollen die jetzt schon wieder von mir? Rückblickend hat es sich aber gelohnt. Ich konnte durch ein einjähriges Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) den Hauptschulabschluss machen.
Während dieser Phase war ich weiterhin bei BeLIS. Die Betreuung wurde jedoch kontinuierlich reduziert, damit ich selbständiger wurde. Ich wohnte dann auch allein mit meiner Tochter in einer Wohnung und bekam einmal pro Woche Unterstützung von Mitarbeiterinnen aus dem Team BeLIS. Das alleine Wohnen war eine Herausforderung. Das Gute war, dass ich viele gute Sachen aus der Zeit bei BeLIS mitgenommen hatte, Freundinnen dort fand und ich immer noch Kontakt zu ihnen und zum Team habe.

Nachdem es keine Möglichkeit mehr gab von BeLIS betreut zu werden, hab‘ ich mir Gedanken gemacht, wie es weitergehen könnte. Ich bin dann doch noch mal zum Jugendamt und hab‘ nachgefragt, ob es nicht doch noch was für mich gibt. Vom Jugendamt kam dann der Vorschlag mit der sozialpädagogischen Familienhilfe. Das hatte ich dann für insgesamt drei Jahre. Es war super. Ich würde die Familienhilfe wieder nehmen. Beispielsweise sind wir zusammen in den Zoo gegangen oder waren einkaufen. Einfach zu wissen, es ist jemand da, die können einem helfen, das gibt Halt, tut gut und das war echt schön.

Nach dem Hauptschulabschluss hatte ich Blut geleckt und wollte weiter machen. Hab‘ ein paar Monate einen 1€-Job im Kindergarten gemacht und bekam gute Feedbacks. Zuerst dachte ich, dass ich zufrieden sei, wie es gerade ist – mit Hartz4 und dem was ich sonst so nebenbei bekomme. Aber dann hab‘ ich mir gedacht, das ist doch nicht das was du dein Leben lang möchtest?

Daraufhin hab‘ ich einen Ausbildungsvorbereitungskurs für alleinerziehende Mütter gemacht, der mir dann ein Praktikum bei einem Heilbronner Schuhgeschäft ermöglichte und anschließend dort sogar eine Teilzeitausbildung. Nach der Ausbildung hab‘ ich sieben Jahre im Schuhgeschäft gearbeitet.

Seit zwei Jahren wohne ich jetzt so wie ich es mir vorstelle. Hab‘ renoviert und bau‘ mir eigene Möbel für meine Wohnung. Einen neuen Job mit besserer Bezahlung hab‘ ich nun auch. Ich muss sagen, arbeiten ist echt hart! Nach neun Stunden bin ich echt kaputt und möchte nicht mal mehr was essen. Aber mich freut es, wenn ich mir von meinem selbst verdienten Geld etwas kaufen kann. Ich hab‘ sehr lange gebraucht, um das zu verstehen.

Ich bin wirklich froh, dass ich jetzt da gelandet bin, wo ich heute bin – mit der Hilfe der DJHN, dem ganzen Team. Da wo ich herkomme – aus dem Kosovo – da wäre ich aufgeschmissen gewesen. Da hätte ich nirgends Unterstützung bekommen. Und das sollte man wirklich zu schätzen wissen.

Miriam E., Mitarbeiterin der DJHN im BeLIS-Team über Frau S. und BeLIS: Wir haben sie damals echt ungern gehen lassen. Sie hat wahnsinnige Talente. Morgens hat sie sich in Kleingartach in die Küche gestellt. Die Arbeitsfläche wurde beiseite geräumt, ein Tuch über den Kopf gebunden und dann wurde alles eingemehlt. Sie hat immer gekocht. Das essen welches wir von ihr bekommen haben, war echt super.
Hier bei BeLIS schauen wir ja nicht nur nach dem Kind, sondern auch nach der Mutter. Wir unterstützen sie erzieherisch was das Kind betrifft. Entweder kommt man schwanger hierher oder im Fall von Frau S. war es die lange Trennung vom Kind und das Problem, da wieder ran zu kommen. Das Kind hatte bereits ziemlich viel Quatsch beim Papa gelernt, wie können wir ihr das wieder abtrainieren, wie kriegen wir es hin, Mama und Kind zusammen führen, Sauberkeitsfrage, Trotzphasen und all sowas. Sie wusste, wir unterstützen sie und sie musste dann auch selber schauen, wie geht es mir als Frau, was macht es mit mir, mit dem Ex Freund, mit dem aktuellen Freund? Es war wichtig, dass sie einfach auch mal kommen und sich alles von der Seele reden konnte.
Meine Devise ist immer: nur wenn es mir selber gut geht, kann ich auch eine gute Mutter sein. Also müssen wir auch die Probleme der Mütter in den Griff bekommen und an beiden arbeiten, an der Mutter und am Kind.

Kontaktadresse:
Diakonische Jugendhilfe Region Heilbronn
Herr Andreas Werner
Öffentlichkeitsarbeit
Walder-Weissert-Str. 6
75031 Eppingen-Kleingartach
Tel.: (0 72 62) 25535-3050
oeffentlichkeitsarbeit@djhn.de

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