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Ein Beispiel, das Mut macht:
Alessandra C.*, 19

* Eine Gesprächsmitschrift; Name von der Redaktion geändert.

Alessandra wollte eigentlich schon immer, dass ihre Geschichte öffentlich wird, um anderen Jugendlichen Mut zu machen. Geboren in Rumänien, kam sie mit einem Jahr nach Deutschland und wuchs zunächst bei Adoptiveltern auf. Mit 13 Jahren kam Alessandra dann nach Kleingartach in die Obhut der DJHN, nachdem andere Hilfemaßnahmen erfolglos blieben.

Ich kam am 15. Februar 2007 zur DJHN. Ich wusste das vorher gar nicht, meine Mutter ist hingegangen und hat mich angemeldet. Als ich dann da war, hab’ ich mir gedacht: Endlich raus! Denn gerade toll war es Zuhause ja nicht. Vor allem als meine Geschwister dazukamen und mein Vater und meine Mutter sich getrennt haben, also mit acht Jahren, begann für mich eine schwierige Phase. Zuhause musste ich immer meiner Mutter helfen, auf meine Geschwister aufzupassen und den ganzen Haushalt machen, durfte keine Freunde haben. Ich hatte eigentlich niemanden. Mein Vater war ja nicht mehr da, er hat mir am meisten gefehlt. Er hatte mich wenigstens immer in Schutz genommen.

Deshalb war ich erst mal froh. Am Tag als ich eingezogen bin, habe ich mich natürlich gefragt: Oh Gott, wie wird das für mich? So viele Menschen, so viele Kinder und Betreuer! Aber nach ein paar Tagen bin ich schon super klargekommen. Und zum Glück hab’ ich ein eigenes Zimmer gehabt, nicht so fünf Jugendliche in ein Zimmer geknallt wie anderswo. Endlich konnte ich alleine wohnen.

Für mich war erst mal wichtig, dass ich nicht mehr bei meiner Mutter, sondern in Sicherheit war. Meine Mutter war aggressiv, die hat mich geschlagen.

Und einmal hab’ ich auch am Wochenende gesagt „Nee, ich möchte nicht zu meiner Mutter, ich will das gar nicht“. Dann wurde versucht, mich in eine Gruppe zu bringen, damit ich nicht nach Hause musste. Und hier hab’ ich gemerkt: Oh, es schlägt mich ja keiner, hier krieg’ ich ja nur die Konsequenzen. Hier war alles so anders, so positiv.

Ich hatte ja schon andere Einrichtungen kennengelernt. In Kleingartach war alles viel persönlicher. Die helfen, sagen was und schenken dir mehr Aufmerksamkeit.

Die Betreuer haben versucht, uns auf den richtigen Weg zu bringen, uns was beizubringen und zwar ohne Schläge, ohne Gewalt – nur mit Konsequenzen! Also, ich wusste ganz genau, wenn ich jetzt das mache, kriege ich diese oder jene Konsequenz. Zuhause wusste ich nie, was habe ich denn jetzt falsch gemacht, dass ich wieder Schläge kassiere?

Am Anfang war es schwierig für mich, weil ich durch meine Vergangenheit eine schwierige Jugendliche war. Ich war aggressiv, dachte, keiner liebt mich, keiner mag mich. Ich habe dann vier Jahre eine Therapie gemacht und habe gemerkt: Okay, ich habe mich irgendwie schon verändert. Wenn ich mich anstrenge, dann schaffe ich auch was. Deswegen bin ich stolz auf mich.

Seit einem Jahr etwa habe ich auch keinen Kontakt zu meiner Mutter mehr, den habe ich von mir aus jetzt ganz abgebrochen.

Am meisten hat mir geholfen, als ich nach einer Weile selbst auf die Betreuer zugegangen bin und die Hilfe angenommen hab’, da ging es dann fast von alleine besser. Ich habe mich an Regeln gehalten und habe bemerkt, dass ich dann auch mehr Freiheiten habe. Ich wurde sogar angesehen als ein Vorbild. Daran habe ich gemerkt „Okay, mach weiter so!“.

Ich habe auch viele Jugendliche erlebt, die die Hilfe gar nicht angenommen haben. Die dort sind, aber nichts annehmen. Manchmal denke ich mir so: ich habe die Hilfe angenommen und dadurch etwas erreicht, aber manche wollen das eben nicht. Und das macht es für die Betreuer und uns, die wir mit denen wohnen müssen, sehr schwierig. Dann erlebt man schlechtes Verhalten, die Betreuer sind am Ende ihrer Kräfte – das waren die schlechten Erlebnisse.

Nach einer Weile dann, so nach zwei Jahren, hab’ ich gedacht, jetzt will ich mal in eine normale Schule. Ich wollte einen richtigen Abschluss haben, den Hauptschulabschluss. Das hat ja auch geklappt und ich hab danach die Ausbildung angefangen.

Ohne die DJHN hätte ich bis heute sicher keinen Abschluss, ich wäre vielleicht so krank im Kopf, dass ich nicht mehr wüsste, was ich machen soll. Ich hatte schon Selbstmordgedanken. Ich glaube, ich wäre schon gestorben ...

Ich habe auch heute, im zweiten Lehrjahr, noch immer Kontakt zu den Betreuern, ich habe ja einen ausgelagerten Platz.

Ich habe viel erlebt und trotzdem weiß ich: Ich kann weitermachen, wie ein normaler Mensch leben! Es gibt schon viele erfolgreiche Jugendliche, die es geschafft haben, auch durch schwierige Zeiten zu gehen.

Meine Mutter hätte vielleicht auch von der Gewalt loskommen können – wenn sie nur selbst eine Therapie gemacht hätte, bevor sie mich in ihr Leben gelassen hat. Mein Vater hatte auch Probleme. Ich denke, die hätten sich erst um ihre eigenen Probleme kümmern müssen, bevor sie mich und die anderen Geschwister holen. Also ich würde erst ein Kind haben, wenn ich weiß, ich kann damit umgehen, ich habe die nötige Geduld.

Wenn ich später mal eine Familie hätte, würde ich es ganz anders machen als meine Eltern. Konsequenzen wie in der DJHN statt Prügel – das würde ich auf jeden Fall mitnehmen!

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich meine Ziele erreiche, auch wenn ich irgendwann mit der DJHN nicht mehr in Kontakt bin. Dass ich mir Ziele setze und die auch schaffe!

Alessandra will sich nach der Ausbildung weiterbilden. „Dann regiere ich auf der Baustelle die anderen Gesellen!“. Alessandra hat noch immer Kontakt zu Mädchen aus der DJHN, die deutlich jünger sind. Sie ist inzwischen zum Vorbild für andere Jugendliche geworden und hat so auch großen Einfluss. Auch in der Ausbildung ist sie zum Vorbild für andere geworden. Dort hört sie ihren Arbeitgeber oft sagen: „Schaut wie die Alessandra das macht“.

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Ich* hätte nicht gedacht, dass ich mal gerne meine Geschichte erzählen werde…

*Nils, 23 – Ein Jugendlicher aus unseren Jugendwerkstätten

Noch vor vier Jahren war ich faul, trank zu viel, hatte null Bock und mein Hauptschulabschluss war auch schlecht. Mit meiner Mutter gab’s ständig Stress, nichts konnte ich ihr recht machen ...

Obwohl ich damals schon 18 war, musste ich in die AH (= Aktivierungshilfe, eine berufsvorbereitende Maßnahme für Jüngere) der Jugendwerkstätten (JWS) gehen, sonst hätte ich vom Jobcenter kein Geld mehr bekommen. Wieder im Unterricht sitzen, fast wie in der Schule – das war schrecklich! Zudem musste ich auch ständig ins Bewerbungstraining. Mich nervte das einfach alles nur.

Aber besonders nervig war die Sozialpädagogin der Jugendwerkstätten. Sie unterhielt sich fast täglich mit mir und telefonierte auch mit meiner Mutter. Mich machte das aggressiv. Was geht die das eigentlich alles an? Ich hatte keinen Bock, über meine Zukunft nachzudenken, schon gar nicht, welchen Beruf ich ausüben möchte.

Dann gab es eine Zeit, da bin ich einfach nicht mehr in die JWS gegangen. Hab mir lieber ein paar schöne Tage mit meinen Kumpels gemacht. Auf Anrufe oder Briefe der Sozialpädagogin hab ich einfach nicht mehr reagiert. Bis ich irgendwann eine Einladung vom Jobcenter bekam und meine Sozialpädagogin war natürlich auch da. Wir einigten uns schließlich darauf, dass ich doch wieder regelmäßig in die Aktivierungshilfe gehe. Ich erhielt nochmal eine zweite Chance – ohne Drohung!

Ich durfte dann in der Schreinerei der Jugendwerkstätte arbeiten. Auf einmal machte es mir sogar Spaß, aus Holz etwas zu erschaffen. Das Rechnen machte plötzlich Sinn und ich verstand, dass auch Rechtschreibung für das Aufschreiben der Aufträge und Verträge ganz hilfreich war. Ich wollte auch beim Ausfahren der bearbeiteten Aufträge zum Kunden dabei sein und erschien deswegen immer pünktlich. Und plötzlich konnte ich mir sogar vorstellen, Schreiner zu werden.

Meine Sozialpädagogin und ich suchten nach einem Praktikum in einer Schreinerei. Das Praktikum war gut, aber zur Ausbildung in diesem Betrieb reichte es nicht. Im zweiten Schreinereibetrieb lief es besser. Die Erfahrungen aus der ersten Schreinerei halfen dabei  sehr, denn ich wusste inzwischen, worauf es ankommt. Der Betrieb bot mir dann eine Lehrstelle an. Ich war stolz und zufrieden, meiner Mutter davon zu berichten. Und ich überlegte, wann ich’s endlich kapiert hatte und warum. Ich weiß es noch immer nicht genau, aber mit Sicherheit spielte die Hartnäckigkeit der Sozialpädagogin eine große Rolle. Und die geduldige Einführung in den Arbeitsalltag der JWS-Schreinerei.

In meiner Ausbildungsklasse zählte ich dann zu den Besseren und hatte darum später sogar die Möglichkeit auf verschiedene Tischlerstellen. Ich blieb allerdings bei meinem Ausbildungsbetrieb und arbeite dort heute als Geselle.

Inzwischen bin ich auch für unseren neuen Auszubildenden zuständig . Ich versuche geduldig und nachsichtig im Umgang mit ihm zu sein – schließlich hatte er nicht die Möglichkeit , seine Talente zuvor in den Jugendwerkststätten auszuprobieren und es hilft ihm auch keine Sozialpädagogin ...

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Vanessa, 3. Klasse Grundschule

Mein Ferienerlebnis

Ich war bei der Insel Usedom. Dort waren wir am strand. Ich bin auch in das Wasser gegangen und wenn ihr euhc wundert was am strand liegt, das sind Muscheln. Ich gehe gerade in das Wasser. Da neben ist ein Seestern. Dort kann mann Eis kaufen, das kostet nur einen Euro. Bonbons gibt  es auch, die kosten 80 Cent. Das war schön.

Ich habe auch Muscheln gesamelt. Ich sag euch ich war im Bungalow mit Christina und Jenifar, wir haben in Doppel Stokbeten oben geschlafen. Ich mus sagen, das war schön. Abens sind wir vom strand ins Ferienlager gelaufen. Um 10 Uhr mussten wir ins Bett. Ende.

Christina, 3. Klasse Sprachheilschule

Mein Ferienerlebnis

Ich war mit Mama und Peter im Erzgebirge. Das Hotel war schön. Ich habe auch eine Freundin gehabt. Wir haben miteinander gespielt. Sie heist Miriam. Es gab auch ein Spielzimmer, dort habe ich mit Miriam abends gespielt. Dann sind wir in unser Zimmer gegangen und haben noch gemalt und gebastelt. Dann muste Miriam wieder zu ihrer Oma und Ihren Opa. Die war mit Oma und Opa dort.

Mama und Peter haben gelesen und ich habe mit meinem Spielhund gespielt. Dann wars spät. Dann sind wir eingeschlafen. Dann war es morgen. Mama und Peter haben noch geschlafen, aber ich war wach und habe Fernsehen gekugt. Dann sind sie aufgestanden und wir sind zum Frühstück gegangen. Dann sind wir wandern gegangen. Wir sind nicht nur einmal gegangen. Wir sind jeden Tag gegangen. Ende.

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